Gliwice wurde 1276 erstmalig erwähnt. Zum damaligen Zeitpunkt gehörte die Stadt zu Polen und hatte einen wehrhaften Charakter. In der HerrschaftszeitMieszko I. von Oppeln (auch Kurzbein genannt) befand sich das Gleiwitzer Land in den Grenzen des Herzogtums Oppeln-Ratibor (Opole– Racibórz). Bereits 1289, bei der Teilung des Gebiets unter vier Herzogssöhne, wurde Gliwice zu einem separaten Herzogtum, das allerdings bald unter die Herrschaft des böhmischen KönigsWenzel II. kam.
Zu dieser Zeit waren das Gleiwitzer Land für Fischzucht, Mühlwesen, Hopfenanbau und die damit zusammenhängenden Bierproduktion und –verkauf bekannt. Während der Hegemonie des deutschen Ritterordens verzichtete der polnische König Kasimir der Große auf seinen Anspruch auf Schlesien. Später waren Ladislaus und Siemowit, welche sich selbst als Herzöge von Gliwice bezeichneten, die Herrscher von Gliwice. Die Periode einer relativen Ruhe wurde durch Hussitenüberfälle unterbrochen. Nach der Verwüstung der Stadt machten sie die Hussiten zum Zentrumihrer Bewegung. Gliwice hatte damals ca. 1200 Einwohner, die sich hauptsächlich mit Bierbrauerei beschäftigten. 1532, nach dem Tod des letzten Herrschers aus der Piastendynastie, kamdie Stadt unter das Zepter der Habsburger. In der Zeit des vernichtenden Dreißigjährigen Krieges veränderte die Stadt ihr Antlitz. Anstelle vonWehrmauern entstanden neue Siedlungen und Grünanlagen.
Während der Türkenkriege verpfändeten die Habsburger die Stadt an Friedrich Zetritz für nicht weniger als 14.000 Taler. Der ursprünglich für 18 Jahre abgeschlossene Vertrag wurde 1580 um weitere zehn und 1589 noch einmal um 18 Jahre verlängert. 1596 erwarben die Stadtbehörden Gliwice für 27.000 Taler; seitdem fungierte sie als eine freie königliche Stadt, die ebenfalls die Dörfer Knurow (Knurów), Kriewald (Krywałd), Ostroppa (Ostropa), Trinnek (Trynek) und Petersdorf (Szobiszowice) umfasste. 183 fand der Durchmarsch der polnischen Armee unter Führung des Königs Johanns III. Sobieski statt. Der König, der zum Entsatz der von den Türken belagerten Stadt Wien eilte, bezog in dem an der Kreuzkirche gelegenen Franziskanerkloster Quartier. Ihren Wohlstand verdankten die Stadteinwohner der hochentwikkelten Bierbrauerei.
Infolge von Bränden von 1711, 1730 und 1735 kam diese Branche allerdings zum Erliegen. 1740 - 173 kämpften Preußen und Österreich imRahmen der sog. Schlesischen Kriege um die Herrschaft über die Region. In der preußischen Zeit hat in Gliwice die kapitalistische Wirtschaft Fuß gefasst. In der direkten Nähe der Stadt entstanden neue Hüttenviertel. Gleichzeitig entwickelte sich das Netz von Hütten- und Bergämtern mit dem Oberbergamt an der Spitze. Die Stadtbehörden setzten sich für den Ausbau von Verkehrswegen ein. Unter anderem sollte der Bau des Gleiwitzer Kanals den Kohlentransport erleichtern und die Stadt vor den häufigen Überschwemmungen schützen.
1796 wurde die staatliche Eisenhütte eröffnet, die durch ihre Kunstgüsse und Rüstungsproduktion in ganz Europa bekannt wurde. Schließlich wurde hier die erste Kanone gegossen. In dieser Zeit wurde in Gliwice der erste, von John Baildon entworfene Kokshochofen Europas in Betrieb genommen. Einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt hatte der Bau der Eisenbahnlinie Breslau – Gliwice im Jahre 1845. Während des ErstenWeltkrieges wurden die Wirtschaft und die Industrie auf Rüstungsproduktion umgestellt. Einige Werke mussten geschlossen werden; die Beschäftigtenzahlen sanken.
In den Jahren 1919 – 1921 fanden drei schlesische Aufstände und eine Volksabstimmung statt, in deren Rahmen die Bevölkerung entscheiden sollte, ob die Region bei Deutschland verbleiben oder an Polen angeschlossenwerden sollte. Die Einwohner der Stadt haben sich für den Verbleib bei Deutschland ausgesprochen, dagegen stimmten 88 von 102 Landgemeinden des Kreises Tost-Gliwice für die Zugehörigkeit Oberschlesiens zu Polen. 1922 wurde das strittige Gebiet zwischen die beiden Staaten geteilt. Im Jahre 1928 wurde das moderne Hotel Haus Oberschlesien erbaut, das gegenwärtig als Sitz der Stadtverwaltung funktioniert (ulica Zwycięstwa). Am 31. August 1939 fand in Gliwice der inszenierte Überfall auf den Radiosender an der Tarnowitzer Landstraße (heute ulica Tarnogórska) statt. Mit ihm schufen die Nazis einen propagandistischen Anlass für den Angriff auf Polen. In der Kriegszeit wurden die Industriewerke der Stadt völlig auf Rüstungsproduktion umgestellt. In Gliwice funktionierten vier Arbeitslager (Filialen des Lagers Auschwitz), die ein Reservoir billiger Arbeitskraft darstellten.
1945 wurde die Stadt von der sowjetischen Armee besetzt und anschließend auch von ihr in einem bedeutende Maße zerstört. Den Rotarmisten fielen u.a. das denkmalgeschützte Victoria-Theater und das Hotel Haus Oberschlesien zum Opfer. Seit 1945 ist Gliwice wieder eine polnische Stadt.